Seit Langem erleben wir eine gefährliche politische und gesellschaftliche Entwicklung. Der Zeitgeist repräsentiert durch Politik und den Großteil der Gesellschaft, glaubt, Sozialismus und möglichst viel Gleichheit in allen Bereichen seien gut für eine Gesellschaft und den allgemeinen Wohlstand. Doch ist das wirklich so?
Seit nun über 40 Jahren beobachte ich als „Selbstständiger“, sowohl die Entwicklung in meinem persönlichen Umfeld, in der Politik und in der gesamten Gesellschaft. Dabei bekomme ich immer mehr das Gefühl, das Ziel sei es zu erreichen, möglichst alles gleich zu machen. Und zwar nicht als Mensch vor dem Gesetz, was ja in Ordnung ist, sondern in allen Bereichen des Lebens.
Von Schwarz bis Grün arbeiten alle daran, die aus ihrer Sicht ideale Wunschgesellschaft zu planen und umzusetzen. Der eigenverantwortliche und vor allem der leistungsbereite und engagierte Mensch scheint dabei das größte Feindbild zu sein. Bestenfalls gut genug, um ihn abzumelken. Zu dem Zweck immer genügend finanzielle Mittel zu haben für die eigenen bürokratischen Strukturen und ein wenig zur Umverteilung an die Menschen, mit denen es das Schicksal vermeintlich nicht so gut gemeint hat. Was aber, wenn diese Teilen der Gesellschaft zusehends die Motivation abhandenkommt, durch den bürokratischen Druck bei gleichzeitig fehlender gesellschaftlicher Anerkennung?
Was die Politiker und die Befürworter der Umverteilung und „Gleichmacherei“ dabei übersehen, ist der Umstand, dass eine Gesellschaft Leistungsträger mit Motivation benötigt, die mehr tun und leisten wollen, als für ihre eigenen Bedürfnisse notwendig ist!
Nur solche Menschen und insbesondere Unternehmer generieren die Wirtschaftsleistung, die erforderlich ist, um einen teuren Sozialstaat mit seinem riesigen Verwaltungsoverhead überhaupt zu „betreiben“. Von diesen Menschen gibt es normalerweise nicht besonders viele. Den meisten Menschen reicht es, kleine Brötchen zu backen, da bleibt nix zum Umverteilen. Im Gegenteil, die Mehrzahl der Bürger in einem Sozialstaat, wie wir ihn heute sehen, sind Nettoempfänger.
Wenn eine Politik und die Allgemeinheit ihre Unternehmer und Leistungsträger aber nur noch als notwendiges Übel betrachten, was man bis zum Exzess mit Steuern ausnehmen kann, dann braucht es nicht zu wundern wenn diese Menschen immer mehr die Lust verlieren. Und dem man dafür dann , zusätzlich zu einer überproportional hohen Besteuerung und bürokratischer Gängelung, in unserer Neidkultur als Belohnung noch einen Tritt auf den Hintern gibt:-(
Dass unsere „Grünsozialisten“ es mit ihrer Ausplünderungs- und Umverteilungspoiltik längst übertrieben haben sehe ich an solchen Beobachtungen, die ich fast wöchentlich im Unternehmerumfeld mache: „Ich wollte Unternehmer sein, nicht Formularverwalter.“ der Satz fiel in einem Gespräch mit einem Geschäftsführer, der eigentlich über den Markt, über nützliche Produkte und über Wachstum sprechen wollte. Nach wenigen Minuten waren wir nur noch bei Dokumentationspflichten, Nachweisen, Fristen, Prüfungen, Zuständigkeiten und immer neuen Anforderungen.
Bürokratie ist für viele Unternehmen das Gefühl, ein Großteil der täglichen Energie in staatlich auferlegte Bürokratie statt in Kunden, Produkte, Innovation und Wachstum zu investieren. Das Gefühl, dass man immer mehr arbeitet, aber immer weniger gestaltet und immer weniger verdient, während das geschäftliche Risiko zunimmt. Daraus entsteht ein gefährlicher Zustand: Das Unternehmen und der Unternehmer passen sich der Bürokratie an, um korrekt zu sein und staatlicherseits aggressiv angedrohte Strafen zu vermeiden. Dabei wird er müde, leistungsschwach und unproduktiv und die Motivation für Leistung versiegt vollständig.
Diese Müdigkeit und zunehmende Lustlosigkeit zeigt sich leise: Entscheidungen werden verschoben, weil erst noch geprüft werden muss, wer zuständig ist. Führungskräfte werden zu Übersetzern zwischen Vorschrift und Alltag. Unternehmer verlieren die Freude am Gestalten und Entwickeln, weil sie ob der unbeherrschbaren Komplexität permanent absichern müssen.
An diesem Punkt stehen wir derzeit in Deutschland, und doch scheinen bei den Menschen noch nicht alle Alarmglocken zu läuten. Denn wenn die Leistungsträger und die Klein- und Mittelstandsunternehmer „in den Streik“ treten, bzw. die Lust an Leistung und Wachstum verlieren, dann bleiben am Ende nur noch die übrig, die auf die Alimentierung durch den Staat angewiesen sind. Menschen, die selten bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, etwa indem sie einen Lebensstil pflegen, der ihrer Gesundheit zuträglich ist. Genau deswegen sind wir bis über beide Ohren verschuldet. Den Menschen wird vorgegaukelt, man könnte den Sozialstaat in der heutigen Form auch ohne eine gesunde und leistungsfähige Wirtschaft und erfolgreiche Unternehmen und Unternehmer aufrechterhalten. Und das, indem man die Umverteilung und die irre und völlig ausgeuferte Bürokratie durch immer mehr Schulden finanziert. Leider geht das nicht lange gut, wie wir dies an der Inflationsrate sehen, vor allem wenn man die reale Inflationsrate nimmt und nicht die offizielle. Jeder weiß, dass er von Jahr zu Jahr weniger bekommt für seine Euronen.
Was bedeutet die Situation nun aus Unternehmersicht? Ich denke, man muss bei seinen geschäftlichen Aktivitäten die Risiken überschaubar halten und zusehen, dass das eigene Geschäftsmodell profitabel ist. Es macht aus meiner Sicht im heutigen Umfeld nur wenig Sinn, allzu starkes Wachstum anzustreben! Viel Wachstum bedeutet immer auch mehr Arbeit, mehr Stress, mehr Ärger und Nerven. Und das oft bei zusätzlichem Risiko.
Wenn das gut geht wird man als Klein- und Mittelunternehmen maximal geschröpft, wenn nicht wird man ausgelacht und in den Schmutz gezogen, weil man Schiffbruch erlitten hat. Auf Anerkennung und Wertschätzung durch Politik und Gesellschaft wird man jedenfalls nicht treffen. Aus meiner Sicht ist es bedauerlich, dass die breite Masse und die Politik nicht erkennen, dass eine Gesellschaft die insgesamt Wohlstand und einen guten Umgang mit der Natur anstrebt, in allererster Linie auf die Motivation derer setzen muss, die den Karren ziehen sollen. Wenn sich an dieser Entwicklung nicht bald wieder etwas ändert, wird der Brain-Train der letzten Jahre weitergehen, die Unternehmer und Führungskräfte werden reihenweise weiter die Lust an Leistung verlieren und mit der Wirtschaft ist auch der Niedergang in vielen anderen Bereichen vorprogrammiert. Und wen wird es dabei am meisten treffen? Natürlich diejenigen, die sich auf den Staat und die Verheißungen der sozialistischen Planwirtschaftler und Gesellschaftsgestalter in der Politik verlassen haben.
Viele sprechen davon, dass der Unternehmen zuallererst eine gesellschaftliche Verantwortung hätten und damit für andere. Das sehe ich etwas anders. Ich bin überzeugt, jeder, nicht nur jeder Unternehmer, hat zuerst mal die Aufgabe, Eigenverantwortung zu übernehmen, für sich selbst zu sorgen und auf eigenen Beinen zu stehen! Ein gesunder Egoismus ist dabei sowohl für den Unternehmer als auch für die Gesamtgesellschaft vorteilhaft. Denn wer sich selbst in die Pflicht nimmt, mit dem Ziel, erfolgreich und eigenständig zu sein und zu bleiben, entlastet die Allgemeinheit und vermeidet teure administrative Systeme, die hohe Kosten verursachen und oft schlechte Leistungen abliefern.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob viele Menschen tatsächlich schon begriffen haben, wie die Zusammenhänge sind, wie schlecht die Situation aktuell bereits ist und welche Reformen dringend notwendig wären, um umzusteuern. Für uns Unternehmer bedeutet das, wie zuvor erwähnt, profitabel und immer mit Blick aufs Risiko zu wirtschaften. Sodass man dabei selbst gut leben und seine Zukunft sichern kann. Dabei unbedingt zusehen, dass die Liquidität jederzeit sichergestellt ist. Aber keinen allzu großen Wert legen auf riskantes und oft mit viel Stress und Ärger verbundenes Wachstum. Wachstum, das am Ende nichts bringt wie eine hohe Steuerlast und bestenfalls den Neid der Gesellschaft.
Lesetipps zu diesem Beitrag:
Ayn Rand: „der Freie Mensch“ (deutsche Übersetzung von Atlas Shrugged)
Ayn Rand: „der Ursprung“ (deutsche Übersetzung von Atlas Shrugged)
Ayn Rand: „zurück in die Steinzeit“ Die antiindiustrielle Revolution
Friedrich August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“
Ludwig von Ises: „Vom Wert der besseren Ideen“
Rainer Zitelmann: „2075, wenn Schönheit zum Verbrechen wird“.